SÜDAFRIKA

AUS DER SCHREIBWERKSTATT VON EINEM LGBTQI-FLÜCHTLING

EUROPA

FREIHEIT FÜR SEXUELLE IDENTITÄT!

GEORGIEN

ERSTE PRIDE WEEK

BULGARIEN

PRIDES VERBESSERN DIE GESELLSCHAFTLICHE AKZEPTANZ

AN HANÈNE ZBISS

AN HANÈNE ZBISS

AN HANÈNE ZBISS

LATEINAMERIKA

GEGEN DISKRIMINIERUNG UND STIGMATISIERUNG VON LGBTQI

SÜDAFRIKA

AUS DER SCHREIBWERKSTATT VON EINEM LGBTQI-FLÜCHTLING

In einer Schreibwerkstatt hat die Stiftung LGBTQI Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen Staaten eingeladen, ihre Geschichte aufzuschreiben. Als homosexueller Mann wurde Ethan Chigwada zu Hause in Zimbabwe verfolgt und ist deshalb nach Südafrika geflüchtet. Hier schreibt er „von meinem Zuhause, meinem Körper und meinen Träumen“:


„Wenn die Familie vor der Geburt ausgewählt werden könnte, hätte ich meine, auch wenn es die letzte Familie auf Erden gewesen wäre, nicht gewählt.“

„Ein Zuhause ist der Ort, an dem man Frieden, Glück, Wärme und Unterstützung finden sollte. Für mich wurde mein Zuhause zu einem Ort der Trauer, des Elends, der Einsamkeit und dem dunkelsten Ort, an dem man nur sein kann. Als meine Familie herausfand, dass ich ein schwuler Mann bin, stand alles auf dem Kopf. Ich wurde wie ein Boxsack behandelt. Ich wurde auf jede mögliche Art beleidigt. Ich wünschte mir nur, dass ich in einer anderen Familie geboren worden wäre. Alles, was ich tat, war nie gut genug für meine Familie. Ich war für immer der Bösewicht, der verlorene Sohn, die Person, die von bösen Geistern besessen war.


Als ich zu Hause war, fühlte ich mich wie in einer Höhle voller Löwen. Es dauerte nicht lange, bis sie mich weggeschickt hatten, um bei meinem Onkel zu leben. Dort hatte ich alles bis zu dem Tag, an dem er betrunken nach Hause kam und mich vergewaltigte. Er zwang sich mir auf. Ich schrie, aber niemand kam mir zu Hilfe. Danach fühlten sich mein Körper und mein Geist sehr schmutzig an und das Vertrauen, das ich hatte, war weg. Mein Albtraum begann wieder von Neuem.


Es ist nicht bei dieser einen Nacht geblieben. Es war jetzt eine tägliche Routine. Wenn ich ablehnte, wurde ich damals mit allem, was er in die Hand bekam, geschlagen. Ich hätte eines Tages fast Selbstmord begangen. Er fand mich und brachte mich ins Krankenhaus. Ich versuchte, mit einem Arzt zu sprechen, aber niemand glaubte mir. Das Gute ist, dass ich die Hoffnung nicht aufgab. Ich beschloss, vom Krankenhaus wegzulaufen, dann die Grenze zu überschreiten und mit dem Zug nach Kapstadt zu fahren.


Ich fand mich in einer Stadt wieder, wo ich niemanden kannte. Ich war noch Schüler, was bedeutet, dass ich meine Ausbildung noch abschließen musste, damit ich meinen Traumjob bekommen konnte. Ich wollte schon immer Journalist werden und eine Familie haben. Der Grund, warum ich diesen Job ausüben möchte, ist, dass ich der Welt, meinen Leuten und unseren Familien gerne sagen würde, dass wir alle Menschen sind. Ich möchte Menschen wie Regierungsbeamte, zum Beispiel aus dem Innenministerium, darüber informieren, dass wir das Recht haben, hier zu sein.


Wir sind alle Afrikaner. Ich möchte die Leute mithilfe von verschiedenen Formaten, wie beispielsweise Dokumentationen, darüber informieren, dass es keine Wahl ist, schwul zu sein. Man wird schwul geboren. Als schwule Flüchtlinge stehen wir vor der Gefahr einer doppelten Diskriminierung. Erstens, weil wir schwul sind, und zweitens, weil wir Flüchtlinge sind. Als Journalist werde ich meine Geschichten erzählen, damit die Menschen lernen und auch ihre eigenen Geschichten erzählen können, damit sie zu unseren Geschichten werden.


Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich muss wieder zur Schule gehen, meinen Abschluss machen und helfen, eine Welt zu schaffen, die ein besserer Ort für zukünftige Generationen ist. Zusammen können wir es schaffen. Jeder braucht ein besseres Zuhause, einen Ort mit Liebe, an dem man sich sicher fühlt. Jeder Mensch braucht den Schutz der Unversehrtheit des eigenen Körpers. An jedem Tag, der kommt und geht, träumen wir verschiedene Dinge. Meine Vision ist es, diese Träume zu erfüllen und immer mehr zu träumen. Ich glaube, dass man nur dann aufhören sollte zu träumen, wenn man aufhört zu atmen.“

Homosexualität ist in 33 afrikanischen
Staaten ein Verbrechen

Liberale Menschenrechtsarbeit fordert
die Entkriminalisierung von homosexuellen
Handlungen und Trans*Identitäten

EUROPA

FREIHEIT FÜR SEXUELLE IDENTITÄT

„Wir sind alle verschieden und doch sind wir gleich. Wir alle müssen die gleichen Rechte haben, die seit 70 Jahren in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert sind.“

– Anne Brasseur

„Unser gemeinsames Menschsein drückt sich rechtlich in der Menschenwürde aus, wie sie erstmals in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vor 70 Jahren verankert wurde. Aufgrund unserer gemeinsamen Menschlichkeit sind wir für den Schutz der Menschenrechte verantwortlich und müssen daher die Diskriminierung von LGBTQI-Menschen bekämpfen.“


Mit diesen Worten eröffnete Anne Brasseur, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung und ehemalige Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, die Diskussionsrunde über „Freiheit der sexuellen Selbstbestimmung und LGBTQI-Bewegungen“ während des Oslo Freedom Forum (OFF).


Jährlich kommen in Oslo Menschenrechtsverteidigerinnen und Aktivisten, Politikerinnen und Politiker, zivilgesellschaftliche Akteure, Jungunternehmer, Mitarbeitende aus Think-Tanks und Stiftungen aller Weltregionen zu einem globalen Dialog über die dringendsten weltweiten menschenrechtlichen Herausforderungen zusammen. Zum vierten Mal war das Brüsseler Büro der Stiftung mit seinem Europäischen Dialogprogramm dabei.


Während der Diskussionsrunde berichteten LGBTQI-Verteidiger und -Verteidigerinnen aus ihrem Alltag als persönlich Betroffene von Menschenrechtsverletzungen und Anfeindungen. Gemeinsam mit Moderatorin Juliette Sanchez-Lambert von der LGBTQI Intergroup des Europäischen Parlaments gaben Denitsa Lyubenova (Bulgarien), Victor Pilirani Chikalogwe (Südafrika), Denise Ho (Hongkong) und Mikhail Tumasov (Russland) einen Einblick in die aktuelle Situation in ihren Heimatländern.


Alle Panelisten äußerten politische Empfehlungen zu regionalen und nationalen Problemen, mit denen LGBTQI-Gruppen und -Einzelpersonen konfrontiert sind. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass weltweit ein stärkeres Engagement von gewählten Politikerinnen und Politikern erforderlich ist, um die Diskriminierung von LGBTQI-Gruppen zu bekämpfen.


In den Projektländern
vor Ort unterstützt die Stiftung Organisationen und Bewegungen, die sich für Rechte von LGBTQI einsetzen

Anne Brasseur, Kuratoriumsmitglied
der Friedrich-Naumann-Stiftung

Die ehemalige Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats, Anne Brasseur, engagiert sich inzwischen für die Menschenrechtsarbeit der Stiftung. Die Reche von LGBTQI sind eines der Schwerpunktthemen der Stiftung für die Freiheit.

Denitsa Lyubenova - Anwältin und LBTQI Aktivistin

In Bulgarien unterstützt die Stiftung die LGBTQI-Jugendorganisation Deystvie und ihre Menschenrechtsanwältin Denitsa Lyubenova in ihrer Arbeit, Gleichheit vor dem Gesetz für LGBTQI zu erreichen.

GEORGIEN

ERSTE PRIDE WEEK

Auch wenn der „Marsch der Würde“ als abschließender Höhepunkt wegen der angespannten Sicherheitslage nicht stattfinden konnte, erfolgte die erste Tbilisi Pride Week im Juni 2019 in Georgien ohne größere Zwischenfälle und unter breiter internationaler Beobachtung. Dies ist ein toller Erfolg!


Systematisch wurde im Vorfeld Stimmung gegen die Pride-Veranstaltungen gemacht. Ein vermögender georgischer Geschäftsmann hatte zur Bildung von Bürgerwehr-ähnlichen Patrouillen aufgerufen. Diese sollten jede LGBTQI-Veranstaltung melden, um sie dann zu verhindern und die Organisatoren „zu schlagen“. Verhalten waren die Reaktionen der Strafverfolgungsbehörden auf diesen offenen und gezielten Aufruf zur Gewalt.


Während die Pride-Aktivisten von internationaler Seite eine beeindruckende Unterstützung erhielten, war eine klare Haltung der Regierung nicht zu erkennen. Dafür gab es eine Stellungnahme der einflussreichen orthodoxen Kirche, in der die georgischen Behörden aufgefordert wurden, alle LGBTQI-Veranstaltungen zu verhindern. Vermutlich hat dieses Statement auch zum Schlingerkurs des Innenministeriums beigetragen: Für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen wurden Sicherheitsgarantien übernommen, die Organisatoren sollten im Gegenzug aber den „Marsch der Würde“ absagen, weil dieser mit gravierenden Sicherheitsrisiken verbunden sei. Ebenfalls wegen Sicherheitsaspekten wurde bewusst auf eine öffentliche Kundgebung am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, verzichtet.

Nun sollte es die erste Tbilisi Pride Week mit kulturellen und politischen Veranstaltungen sein: mit dem Ziel, auf die schwierige Situation der LGBTQI-Community hinzuweisen, um für mehr Verständnis zu werben und die Gleichstellung mit heterosexuellen Bürgerinnen und Bürgern zu fordern. Die rechtlichen Voraussetzungen in Georgien sind durchaus fortschrittlicher als in vielen anderen Ländern der Region: Homosexuelle Handlungen sind seit dem Jahr 2000 legal und es gibt ein Antidiskriminierungsgesetz.


Ohne Zwischenfälle verliefen ein Runder Tisch, den die Stiftung mit Vertretern von Menschenrechts- und LGBTQI-Aktivisten organisierte, eine internationale Konferenz zur Stärkung der LGBTQI-Rechte sowie eine Aufführung einer Adaption des Stücks „Metamorphosis“ von Franz Kafka. Dazu hat sicher auch beigetragen, dass diese Veranstaltungsorte weitestgehend geheim gehalten wurden, aber trotzdem gut besucht waren. Im Juli konnte die abgesagte Pride schließlich als Aktion vor dem Innenministerium doch noch statt finden. Allerdings wählten die Organisatoren statt "Marsch der Würde" das Motto "Alternative Partisanische Aktion".

"Wegen unserer eigenen Menschlichkeit sind wir verpflichtet gegen Diskriminierung von LGBTQI-Personen zu kämpfen. Unsere Menschenrechte verpflichten uns die Menschenrechte anderer zu achten."

– Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

In Russland können wir keine LGBTQI Pride unterstützen, weil ein Gesetz seit 2013 "Homosexuelle Propaganda gegenüber Minderjährigen" verbietet. Eine Pride darf im öffentlichen Raum daher nicht stattfinden. Mit dem Projekt "We accept!" fördern wir die Sichtbarkeit von LGBTQI-Betroffenen aus dem postsowjetischen Raum, die hier ihre Geschichte erzählen: https://we-accept.online/head-en

Prides mobilisieren
Betroffene und Unterstützer

LGBTQI-Prides fördern die sexuelleund geschlechtliche Vielfalt von Menschen und die Freiheit der Selbstbestimmung

BULGARIEN

PRIDES VERBESSERN DIE GESELLSCHAFTLICHE AKZEPTANZ

Mehr als 6.000 Leute strömen friedlich und
feiernd durch die Straßen Sofias

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat sich als Unterstützer der LGBTQI-Gemeinschaft und der Organisatoren der Sofia Pride in Bulgarien etabliert. Seit sechs Jahren fördert die FNF sowohl die Vernetzung mit internationalen Experten als auch den Dialog mit den bulgarischen Politikern und Politikerinnen sowie den LGBTQI-Organisationen.


Aber: Noch immer fehlt die politische Unterstützung im Land! Auch aus diesem Grund ist die Pride – die am 8. Juni 2019 mehr als 6.000 Leute zusammenbrachte – eher ein Fest der Diversität und Vielfalt als ein politischer Marsch für gleiche Rechte für nicht heterosexuelle Menschen. Immerhin beteiligen sich viel mehr Menschen als in früheren Jahren an der Pride. Eine weitere positive Tendenz lässt sich beobachten: Die Gesellschaft zeigt mehr Akzeptanz gegenüber gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, wenn diese selbst Kinder haben und als Eltern so die gleichen Probleme teilen wie heterosexuelle Elternpaare.


Der Menschenrechtsanwältin Denitsa Lyubenova von der LGBTQI-Jugendorganisation „Deystvie“ gelang im Juli 2019 ein spektakulärer Erfolg für ihre Mandanten: Der Oberste bulgarische Verwaltungsgerichtshof entschied positiv über die Anerkennung einer gleichgeschlechtlichen Ehe, die in Frankreich geschlossen wurde. Damit verschaffte das Gericht dem Rechtsgrundsatz Geltung, dass EU-Recht vor Landesrecht Vorrang hat.

Die Pride soll die Menschenrechtslage in
Bulgarien verbessern

Die Sofia Pride am Denkmal für die
sowjetische Armee in Bulgarien

 LGBTQI fordern keine besonderen Rechte für sich, sondern dieselben Menschenrechte, die für alle gelten - ganz nach dem Motto "We are here".

LATEINAMERIKA

GEGEN DISKRI­MI­NIE­RUNG UND STIGMA­TISIERUNG VON LGBTQI

Das Urteil zur gleichgeschlechtlichen Ehe
muss in Lateinamerika respektiert werden

Anfang 2018 entschied der Interamerikanische Menschenrechtsgerichtshof, die gleichgeschlechtliche Ehe anzuerkennen – ein Beschluss, der für die 20 Mitgliedsstaaten ab sofort rechtlich bindend ist. Dennoch sind in vielen lateinamerikanischen Ländern die Ehe für alle oder Antidiskriminierungsgesetze keine Selbstverständlichkeit.


Die konservativen und patriarchalen Gesellschaften Lateinamerikas bergen Potential zur Diskriminierung und Stigmatisierung der LGBTQI-Gemeinschaft. Hierauf machten zivilgesellschaftliche Aktivisten aus Peru, Kuba und Haiti auf einer Veranstaltung aufmerksam, die vom peruanischen Stiftungspartner Instituto Político para la Libertad und von der Red Liberal de América Latina organisiert wurde und sich dem Thema „Freiheit und Minderheitenrechte“ widmete.


Um eine Öffnung der Gesellschaften zu erreichen, setzt sich die Stiftung auch in Guatemala im Rahmen der Alianza para Centroamérica für die Achtung und Gewährleistung von LGBTQI-Rechten ein. Mit der zivilgesellschaftlichen Organisation Guate Activa konnte im Rahmen der „Marcha del Orgullo“, der Pride-Parade Guatemalas, ein Forum organisiert werden. „Positive Akzente können wir dann setzen, wenn wir von einer Protesthaltung zu einer konstruktiven Zusammenarbeit übergehen, um Lösungsansätze zu finden, die individuelle Freiheit ermöglichen und verbessern“, brachte Allan Ortiz zum Ausdruck.


Ortiz hat Guate Activa mit anderen Führungsnachwuchskräften gegründet und betont, dass die LGBTQI-Gemeinschaft keine besonderen Privilegien, sondern die Gleichheit vor dem Gesetz fordert. Gerade junge Menschen können althergebrachte Paradigmen aufbrechen und sich für eine Gesellschaft engagieren, in der die Würde aller Menschen unantastbar ist.

Allan Ortiz fordert für LGBTQI
die Gleichheit vor dem Gesetz

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