AFRIKA

DIE AUGEN VOR GEWALT GEGEN FRAUEN NICHT VERSCHLIESSEN

„Wir leben in einer Gesellschaft, die auf der Unterwerfung der Frauen basiert, beeinflusst von der wirtschaftlichen Position.” Mit diesen Worten leitete Keitumetse Fatimata Motlouatse ihren Beitrag im Rahmen eines von der Stiftung organisierten Webtalks gegen Gewalt gegen Frauen in Afrika ein.

Gemeinsam mit drei Frauenrechts-Aktivistinnen machte FNF Afrika auf das noch immer tabuisierte Thema von Gewalt gegen Frauen und Kinder die Bedeutung von Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft aufmerksam – „This violence undermines democracy, it makes it less inclusive, less responsive, less accountable and less resilient“, so Sandra Pepera (Senior Associate and Director for Gender Women and Politics Programme with the National Democratic Instititute (NDI)).

Vermehrte Gewalt aufgrund staatlicher Corona Maßnahmen

Corona-bedingte Einschränkungen, insbesondere Ausgangssperren und Kontaktbeschränkungen, bringen weltweit zunehmende Gewalt gegen Frauen und Kinder mit sich. Angesichts der oftmals ohnehin fragilen Stellung von Frauen und Kindern in einigen afrikanischen Gesellschaften ist das ein herber Schlag gegen die Menschenrechte.

Die Anzahl der Fälle, in denen es zu Gewalt gegen Frauen und Kinder gekommen ist, war bereits im Jahr 2019 alarmierend hoch. Aus einem WHO Bericht ging hervor, dass 35% aller Frauen weltweit mindestens einmal eine Gewaltsituation erlebt haben. In Afrika waren es sogar 45,6%, und die Dunkelziffer ist noch deutlich höher. Besonders in ländlichen Gegenden sind Familienleben, Politik, Kultur und häufig auch die Gesetzgebung patriarchalisch geprägt.

Gefährlicher als anderswo

Ein erschreckendes Beispiel in Subsahara-Afrika ist Südafrika. In Südafrika leben Frauen laut unserer Expertin Keitumetse deutlich gefährlicher als anderswo: „South Africa has a femicide rate 5 times higher than the global average.“

Bei Verkündung des nationalen Lockdowns zur Bekämpfung der Covid-19 Pandemie Mitte März wurde zunächst ein Verbot zum Verkauf von Alkohol ausgesprochen – unter anderem auch zum Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt. Als diese Prohibition Anfang Juni für drei Wochen gelockert wurde kamen unmittelbar 21 Frauen und Kinder aufgrund von häuslicher Gewalt ums Leben. Zwar wurde das Alkoholverbot wiederaufgenommen, jedoch wurde von staatlicher Seite nichts weiter unternommen, um Frauen und Kinder zu schützen und Gewalttaten einzudämmen. Die Panelistinnen des Webtalks, die sich selbst als „experts of our reality“ bezeichnen, brachten zum Ausdruck, dass es sich bei Gewalt gegen Frauen um ein gesellschaftliches Problem handelt, über das offen gesprochen werden muss und das auch auf der politischen Agenda des männerdominierten Kontinents endlich seinen Platz finden muss.

Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem über das offen gesprochen werden muss, finden die Expertinnen.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie vor Ort? Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gespräch mit Tami Jackson aus Südafrika und Fatma Karume aus Tanzania.

"We are living in a country where we are not empowered to take care of ourselves.“
Fatma Karume, Anwältin in Tansania

Weltweit wurde 2020 massiv versucht, Menschenrechtsaktivisten und Aktivistinnen zum Schweigen zu bringen.

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