PALÄSTINA

COVID-19 TRIFFT BESONDERS DISKRIMINIERTE GRUPPEN

Khawla Azraq, Direktorin Psycho-Sozialberatungszentrum für Frauen (PSCCW)


Warum ist Lobbyarbeit für das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau, kurz CEDAW, wichtig für die gesamte palästinensische Gesellschaft?

Palästina hat das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau 2014 ratifiziert, was ein wichtiger Schritt zur Verwirklichung der Rechte der Frauen war. Die Kluft zwischen dem rechtlichen Rahmen und der Realität ist nach wie vor immens. Frauen sind mit vielfältigen Formen von Gewalt und Diskriminierung konfrontiert: Frühe Heirat von Mädchen, verbale und sexuelle Misshandlungen, physische und psychische Belästigungen und erfahren massive Menschenrechtsverletzungen gegen ihre wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rechte. Als Verteidigerinnen von Frauenrechten sind wir überzeugt, dass CEDAW ein wirksames Instrument sein wird, um die Gleichstellung von Männern und Frauen zu erreichen. Seit der formellen Verabschiedung der Konvention organisierte die „Hizb Al Tahreer", eine fundamentalistische islamistische Partei, viele Aktivitäten gegen die Konvention. Angeblich stünde sie im Widerspruch zur islamischen Scharia. Als PSCCW beschlossen wir daher gezielt, Sensibilisierungskampagnen zu organisieren, die sich an Jugendliche beiderlei Geschlechts richten. Im Projekt „CEDAW Friendly Youth's Groups" sollte die Bedeutung der Konvention betont werden, um Jugendliche auch zu ermutigen, ihre Rolle als Agenten des Wandels wahrzunehmen und sich für Frauenrechte als Teil der Menschenrechte einzusetzen.














































Wie kann eine Frauenorganisation Frauen während der Corona-Zeit unterstützen?

Ein Teil der Reaktion des PSCCW auf die COVID 19-Pandemie bestand darin, eine Initiative namens „Von Frauen für Frauen: gemeinsam überleben wir" ins Leben zu rufen. Die Idee besteht darin, die Solidarität zwischen Frauen zu stärken und das Engagement innerhalb der Gemeinschaft zur Unterstützung von Frauen besonders in Krisenzeiten zu erhöhen. Die Initiative umfasst psychosoziale und rechtliche Unterstützung, aber auch bewusstseinsbildende Maßnahmen.

Während der Pandemie konnten wir die Zunahme geschlechtsspezifischer Gewalt beobachten. Laut Statistik ist psychologische Gewalt gegen Frauen die häufigste Art des Missbrauchs. Gleichzeitig erhöht sich der Druck in der aktuellen Wirtschaftskrise aufgrund von Arbeitsplatzverlusten. Wir nutzen soziale Medien und Videokonferenzen, um eine große Zahl von Frauen zu erreichen und ihnen zu helfen, mit den Schwierigkeiten fertig zu werden, die sich aus der Pandemie ergeben. Die Botschaften richten sich aber auch an Männer, mit dem Ziel häusliche Gewalt zu vermeiden. Insgesamt haben wir 180.000 Personen erreicht.

Die Situation der Menschenrechte ist in Palästina in hohem Maße fragil und angespannt, vor allem aufgrund der israelischen Besetzung und der strukturierten und systematischen Verletzungen der Grundrechte in allen Lebensbereichen. Es fehlt ein ernsthafter Willen der palästinensischen Regierung, wirkliche Veränderung der sozialen Stellung von Frauen herbeizuführen. Dringend erforderliche Gesetze werden nicht verabschiedet, insbesondere das „Familienschutzgesetz" und die Umsetzung der CEDAW. Ein weiterer Grund, weshalb wir eine Zunahme aller Formen von Gewalt gegen Frauen beobachten konnten.“

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

freiheit.org/menschenrechtsarbeit