SÜDAFRIKA

LGBTQI-RECHTE UND SPRACHGEBRAUCH IN AFRIKA

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Sie kann dazu eingesetzt werden, die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Queers und Intersexuellen (LGBTQI) zu fördern oder drastisch zu erschweren.

Mit der Erfindung neuer sprachlicher Ausdrücke können sichere Kommunikationswege für diejenigen geschaffen werden, die in stark homophoben Gegenden leben. „Gayle" in Südafrika ist ein solches Beispiel. Während der Apartheid-Ära war Gayle eine Geheimsprache, deren Hauptzweck darin bestand, eine offene Kommunikation innerhalb der LGBTQI-Gemeinschaften zu ermöglichen und Aktivitäten zu erleichtern. Als eine Art Code erlaubte Gayle der Community offen zu sprechen, ohne in der Öffentlichkeit entdeckt zu werden, während die Regierung LGBTQI-Aktivitäten überwachte und zensierte.

Wie Afrikaner:innen in der vorkolonialen Ära Homosexualität und das eigene Geschlecht verstanden haben, zeigt sich in unterschiedlichen Begriffen, die in verschiedenen Stämmen und Königreichen auf dem ganzen Kontinent gebräuchlich waren. Es gab Ausdrücke, die nicht nur die Existenz von LGBTQI-Personen anerkannten, sondern sie ausdrücklich feierten. So gehörten beispielsweise bei den Langi im Norden Ugandas Menschen, die intersexuell geboren wurden, einem dritten Geschlecht an, das als Mudoko Dako bekannt ist. Gesellschaftlich gebilligt war es den Mudoko Dako auch gesetzlich erlaubt, einen Mann oder eine Frau zu heiraten.

Wenn Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt wird, stellt dies eine bewusste Diskriminierung dar.

Dan Daudu – „Männer, die wie Frauen sind“

Bei den Kikuyu und Meru in Kenia wurden besondere religiöse Geistliche Mugawe genannt. Sie kleideten sich wie Frauen und trugen ihr Haar wie Frauen, heirateten in einigen Fällen aber andere Männer. In ganz Westafrika, vor allem in Nordnigeria, gehörte zum Wortschatz des Hausa-Stammes der Begriff Dan Daudu, was wörtlich „Männer, die wie Frauen sind" bedeutet. Wenn ein Kind in jungen Jahren als Dan Daudu anerkannt wurde, erhielt es weibliches Spielzeug und wurde ermutigt, sein Geschlecht unabhängig von der Biologie offen auszudrücken. Nach der Einführung diskriminierender Gesetze und westlicher Religion durch die Kolonialmächte in Afrika änderte sich auch die Wahrnehmung von Homosexualität und Geschlechtsidentität drastisch. Dies spiegelt sich in der Sprache wider, die heute verwendet wird, um LGBTQI-Menschen und -Themen zu verstehen. Die gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Eliten bezeichnen Homosexualität oft als ein westliches Phänomen. Laut einer kürzlich durchgeführten Studie der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) glaubt fast die Hälfte der Befragten (47%), dass Homosexualität ein aus dem Westen importiertes fremdes Konzept sei. Viele Afrikaner:innen verbinden eine stark negative Konnotation mit dem Wort Homosexualität. Dem malawischen LGBTQI-Forscher, Alan Msosa, zufolge verwechseln die meisten Malawier den Begriff Homosexualität mit Pädophilie. Dies macht es außerordentlich schwierig, für die Rechte von LGBTQI einzutreten. Heute wird Sprache gegen die LGBTQI-Bevölkerung in Afrika als Instrument der Diskriminierung eingesetzt. Aktivisten und Fürsprecher sollten versuchen, Wege zu finden, die Art und Weise zu beeinflussen, wie die Sprache zur Beschreibung von LGBTQI-Personen und Themen verwendet wird. Dazu könnten sie sich auf historische Fakten und kulturelle Begriffe mit positiven Konnotationen stützen.

LGBTQI-Rechte müssen vor Gerichten eingefordert werden.

Die LGBTQI-Community muss auf der Straße sichtbar sein.

Rechtsstaatlichkeit zeigt sich auch im Umgang mit Minderheiten, wie LGBTQI-Personen.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

freiheit.org/menschenrechtsarbeit