TÜRKEI

VERBORGEN SEIN ODER NIEMAND SEIN

Mobbing am Arbeitsplatz? Weil man homosexuell ist? FNF Türkei untersucht mit der Partnerorganisation KAOS GL die Zahl der Betroffenen.

Die Menschenrechtssituation von LGBTQI-Personen kann nur in Kooperation mit Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Betroffenen verbessert werden.

„Ich möchte sagen 'Ich bin hier', wie alle anderen auch. Ich bin, wer ich bin, nicht krank, nicht psychisch gebrochen oder verwirrt. Ich bin genau wie Sie.“

Mit diesen Worten beschrieb eine bisexuelle Frau, wie es ist, als LGBTQI Person im Lebensmittelsektor in der Türkei zu arbeiten. Laut eines Berichts der Kaos Gay and Lesbian Cultural Researches and Solidarity Association (KAOS GL) ist die Zahl derjenigen Beschäftigten, die gezwungen sind, ihre geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung oder intersexuelle Situation an ihrem Arbeitsplätzen zu verbergen, hoch. Diese Form der erzwungenen Geheimhaltung stellt nicht nur eine Verletzung grundlegender Menschenrechte dar, sondern führt im Alltag auch dazu, dass die Betroffenen ihre wahre Identität auch außerhalb des Büros verbergen.

Situation von LGBTQI als Beschäftigte des Privatsektors in der Türkei

Seit 2015 kooperiert das Türkei-Büro der Friedrich-Naumann-Stiftung (FNF) mit KAOS GL bei der Erstellung von Berichten, welche die Situation von LGBTQI-Beschäftigten in der türkischen Privatwirtschaft beobachten, indem sie die Einstellungsprozesse, die allgemeinen Arbeitsbedingungen und die persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung beleuchten. Die Ergebnisse zeigen, dass die gegenwärtigen Bedingungen nicht nur zu direkter oder indirekter und offener oder versteckter Diskriminierung von LGBTQI-Beschäftigten führen, sondern sich auch auf die tatsächliche Leistung der Beschäftigten auswirken, den betrieblichen Frieden stören und die Produktivität am Arbeitsplatz verringern.

Nach den Ergebnissen der vergangenen Jahre geben nur sehr wenige Beschäftigte ihre Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung an ihrem Arbeitsplatz vollständig preis. Im Jahr 2019 haben 32,9% der Teilnehmer:innen zugegeben sich vollständig zu verstecken. Ein weiteres Ergebnis zeigt, dass Diskriminierung sich in allen Arbeitsbereichen findet: Vom Vorstellungsgespräch bis zur Beförderung. Betroffene empfehlen Kontaktgruppen zu gründen und individuelle Ansätze in den jeweiligen Unternehmen unter Einhaltung gesetzlicher Regelungen zu entwickeln.

Auch wenn rechtlich zwischen Hassrede und Hassverbrechen unterschieden wird, ist es durchaus vertretbar, dass es sich auch um ein Hassverbrechen am Arbeitsplatz handelt. Gewalt aufgrund von Diskriminierungen gegenüber LGBTQI-Personen nimmt in der Türkei derzeit immer mehr zu. Daher besteht dringender Handlungsbedarf, sich mit Homophobie als einer besonderen Form von Gewalt auseinanderzusetzen. Die KAOS-GL steht in engem Kontakt mit Wirtschaftsvertretern, Menschenrechtsaktivisten und LGBTQI-freundlichen Politikerinnen und Politikern, um nachhaltige Lösungen für rechtliche und soziale Veränderungen zu finden.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

freiheit.org/menschenrechtsarbeit