ZIMBABWE

WENN ES UMS ÜBERLEBEN GEHT

Viele Frauen versuchen in der rauen Zeit von Covid-19 über die Runden zu kommen. Unternehmen verkleinern die Zahl ihrer Mitarbeiter:innen – davon sind besonders Frauen betroffen.

Der Krankenschwesternstreik dauert seit März an, als Zimbabwe seinen ersten Corona-Fall verzeichnete.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten war das Leben für die Zimbabwer ein ständiger Kampf ums Überleben. Es herrscht ein permanenter Mangel an Grundnahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Für die unproduktive Agrarwirtschaft war es in den letzten zehn Jahren eine Reise der Hoffnung von einer Regenzeit zur anderen. Die harten Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben die düstere Realität Zimbabwes noch weiter verschärft.

Obwohl die Rechte auf Nahrung und Gesundheit an prominenter Stelle in der Verfassung verankert sind, steht Zimbabwe im neuen Bericht der Vereinten Nationen für das Jahr 2020 auf der Liste der schlimmsten Ernährungskrisen der Welt. Das Welternährungsprogramm (WFP) erwartet, dass die Zahl der in Ernährungsunsicherheit lebenden Zimbabwer bald auf über 60% der Bevölkerung ansteigen wird. Versuche, sich im Namen der Stimmlosen zu äußern, die schweigend an Hunger und Krankheit sterben, ziehen Ressentiments und manchmal sogar Schikane, Verfolgung und Folter durch die Regierung nach sich.

Zimbabwer sterben auch auf Krankenhausparkplätzen, weil die Gesundheitspolitik der Regierung sogenannte COVID-19-Genehmigungszertifikate vorschreibt, die aufgrund unzureichender Testmöglichkeiten äußerst schwer zu erhalten sind. Die Zertifikate, die zwischen 60 und 1.000 USD kosten, sind für die meisten Bürger:innen unerschwinglich und im Durchschnitt dauert es sieben Tage, bis ein Testplatz zur Verfügung steht und weitere sieben Tage bis die Ergebnisse vorliegen. Die meisten Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 treten zu Hause auf, da die Zimbabwer das Gesundheitssystem meiden, das sie aufgegeben hat.

Das COVID-19-Isolationszentrum im größten Krankenhaus des Landes verfügt über mehr als 300 Betten. Aufgrund eines viermonatigen Lohnstreiks des Pflegepersonals konnten aber nur knapp über 30 Betten versorgt werden. Allein am 27. Juli 2020 wurden in einem der größten Krankenhäuser von Harare sieben Babys tot geboren, nachdem eine dringende Behandlung wegen des Krankenschwesternstreiks nicht durchgeführt wurde.

Anstatt die schrecklichen Gesundheitsprobleme anzugehen, die außer Kontrolle geraten sind, hat sich die Regierung Zimbabwes dafür entschieden, das Gesundheitssystem zu militarisieren, indem sie kompromittierte, ungeeignete und untaugliche Militärgeneräle in die obersten Ränge des Gesundheitsministeriums berufen hat.

Darüber hinaus ist die geringe Nahrungsmittelhilfe, die Zimbabwe von internationalen Geldgebern erhält, einem korrupten und parteiischen Verteilungssystem unterworfen, das die Armen und diejenigen, die sich nicht an die Linie der Regierungspartei halten, noch weiter ins Abseits drängt.

Die Ressourcen für die Bekämpfung von COVID-19 wurden von den Regierungseliten geplündert, während die Zimbabwer in einer verzweifelten Lage zurückgelassen werden. Die mit COVID-19 verbundenen Herausforderungen haben die Rechte auf Gesundheit und Nahrung der Bevölkerung ausgehöhlt, während die Regierung ihr autoritäres Regime mit einem noch höheren Maß an Repression und Unterdrückung als zuvor konsolidiert hat. Die grundlegenden Menschenrechte rücken für Zimbabwer in immer weitere Ferne.

Ein Kind sucht am 29. Juni 2020 in Kuwadzana nach gebrauchten Kunststoffen, die als Brennstoff zum Kochen verwendet werden sollen. 19 Schulen wurden im März wegen der Pandemie vorzeitig geschlossen, und die Eltern haben Probleme damit, dass Kinder vermehrt in die Drogensucht abrutschen, weil sie nichts mehr haben, womit sie ihre Zeit sinnvoll verbringen können.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

freiheit.org/menschenrechtsarbeit